Wärmetechnik
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Richard Osterwalder, Unternehmer und Gebäudetechnik-Experte. (Foto: Jürg Wellstein)

11.05.2024
Interview: Raiffeisen / PW

Wärmepumpen und fossile Heizungen

Richard Osterwalder* hat die rasante Entwicklung der Energie- und Gebäudetechnik in den letzten 30 Jahren hautnah miterlebt und mitgeprägt. Im Interview erklärt er, wie die Schweiz heizt, was er als wichtig für die Energiewende sieht und weshalb es zur Zeit noch immer fossile Heizungen braucht.

Die 1992 eingeführte Luftreinhalteverordnung (LRV 92) hat die Energiebranche richtiggehend durchgeschüttelt. Wie haben Sie diesen Einschnitt erlebt?

Richard Osterwalder: Mit der Luftreinhalteverordnung mussten die Abgaswerte Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid, Ozon und Kohlenmonoxid halbiert werden. Alle Hersteller standen damals vor grossen Herausforderungen, welche zwecks Erfüllung der neuen Vorschriften mehrheitlich zeitnah gelöst wurden.

Wärmepumpe und Wärme-Speicher. (Foto: zVg)

Wärmepumpe und Wärme-Speicher. (Foto: zVg)

Wechselrichter für PV-Anlage und Batterie-Speicher mit Speicherkapazität 6.5 kWh. (Foto: zVg)

Wechselrichter für PV-Anlage und Batterie-Speicher mit Speicherkapazität 6.5 kWh. (Foto: zVg)

Richard Osterwalder, Unternehmer und Gebäudetechnik-Experte. (Foto: Jürg Wellstein)

Richard Osterwalder, Unternehmer und Gebäudetechnik-Experte. (Foto: Jürg Wellstein)

Ab wann hat der Wind gedreht, indem sich die Immobilienbesitzer für andere Heiztechnologien wie Wärmepumpen oder Sonnenenergie zu interessieren begannen?

Man muss differenzieren, zwischen Solarthermie und Photovoltaik. Solarthermie erwärmt Wasser, Photovoltaik erzeugt Strom. Wärmepumpen gibt es mit den Energiequellen Luft, Erdreich sowie Grund- oder Seewasser. Die Wärmepumpe hat dabei eine Geschichte, die weiter zurückreicht als vermutet. In den vergangenen Jahrzehnten konnte sie sich jedoch wirklich auf dem Wärmemarkt durchsetzen. 1982 wurden rund 1500 Stück installiert, 40 Jahre später rund 40’000 Stück pro Jahr. Ziehen wir die Wärmepumpen zu Rate, dann haben diese vor rund zehn Jahren fossile Wärmeerzeuger überholt.

 

Dennoch, in der Schweiz stehen immer noch zu viele fossile Heizungen und zu viele werden durch ein gleichartiges System ersetzt. Stimmen Sie hier zu?

So pauschal darf man das nicht sagen. Es gibt Anforderungen an Wärmeerzeugungsanlagen, die zur Zeit von anderen Systemen noch nicht erreicht werden, ich denke z.B. an höhere- und kurzzeitige Temperaturanforderungen, Lärm- und Denkmalschutz.

2021 gab es in der Schweiz 1,77 Millionen Gebäude mit Wohnnutzung und 4,69 Millionen Wohnungen. 58% der Gebäude wurden mit fossilen Energieträgern beheizt (Heizöl und Gas) und 17% waren mit einer Wärmepumpe ausgestattet, deren Anteil sich seit 2000 vervierfacht hat.


Wo sehen Sie noch Chancen zu weiteren Energie-Einsparungen?    

Primär bei der Energieeffizienz, das beginnt bei der Beurteilung der Gebäudehülle mit entsprechenden Massnahmen, das kann die Wärmeverluste massiv reduzieren. Was dann zur Folge hat, dass die Wärme- und Energieerzeugung kleiner dimensioniert werden kann und damit kostengünstiger und effizienter wird, z.B. durch längere Laufzeiten.

Ebenso bei der Überwachung aller Funktionen und Einstellungen der gesamten Heizungsanlage (Wärmerzeuger, Wärmeverteilung und Regelungen) nach Benutzeranforderungen. Meiner Meinung nach sollte eine neue Anlage die erste Wintersaison so optimiert werden, dass die höchstmögliche Energieeffizienz erreicht wird. Dabei setze ich voraus, dass die Hydraulik und Regelung technisch perfekt geplant und installiert sind, auch nach Vorgaben der Hersteller. So sollte beispielsweise eine Wärmepumpe nicht mehr als 10 bis 15 Schaltungen pro Tag haben, was bezüglich Effizienz und Lebensdauer gute Werte sind.

 

In einem Interview haben Sie gesagt, es braucht für die Ziele der Energiewende praktische Lösungen. Was meinen Sie damit konkret?

Praktische Lösungen sind nach meinen Erfahrungen bedürfnis- und anwendungsgerechte Lösungen. Höchste Energieeffizienz ist das Ziel. Dazu gehört, dass die technischen Lösungen für jedermann gut und verständlich zu bedienen sind. Da kann man beispielsweise mit der Digitalisierung übers Ziel hinausschiessen. Nicht alle Hauseigentümer sind IT-Cracks.

 

Sie sind Gründer des EnergieportalSchweiz.ch, welches Sie nach wie vor betreiben. Wie kamen Sie dazu?

Alle kennen die zeitaufwändige Herausforderung, mit Suchmaschinen qualifizierte und vertrauenswürdige Antworten zu finden. Das war das Motiv, ein Portal zu erstellen, das sich auf das Thema Gebäude- und Energietechnik konzentriert. Der Besucher, Bauherren, Architekten, Planer und Interessierte sollen «mit einem Klick» Antworten auf Ihre Fragen bekommen von Schweizer Branchenverbänden und von führenden Herstellern. Zusätzlich hat der Besucher einen Überblick der anwendbaren Gebäudetechnik, Förderbeiträge, Fachunternehmen wie Energieberater, Planer, Installationsfirmen, aber auch eine Übersicht führender Anbieter, nebst Fachzeitschriften und Finanzierungsmöglichkeiten. Unter Dienstleistungen und Informationen stehen Portale zur Verfügung mit Informationen der aktuellen Energiesituation. Neu bietet das Portal EPS auch Energieberatungen an im Rahmen von effizienten Systemen und die richtige Vorgehensweise bei Erneuerungen.

 

Das Portal bezeichnet sich als unabhängige und neutrale Informations- und Beratungsplattform für Bauherren, Architekten, Planer, Behörden, Gemeinden, Energieberater, Installationsfirmen und Gebäudetechnik-Interessierte. Welche Ziele verknüpfen Sie damit?

Aktuelle Informationen zum Stand der Technik der Branche, primär von Verbänden und Herstellern, Behörden, rund um die Gebäudetechnik und Energie. Auch zu e-mobility, mit z.B. der Möglichkeit vom bidirektionalem Laden und Speichern von Strom für den Haus-Bedarf und die Gebäudetechnik.

Es ist und war mir ein grosses Anliegen, mein Wissen, Erfahrungen und Netzwerk in eine Plattform – Gebäudetechnik – zu «verpacken» und damit eine einmalige Dienstleistung für Bauherren, Architekten, Planer, Behörden, Gemeinden, Energieberater, Installationsfirmen und an Gebäudetechnik-Interessierte zur Verfügung zu stellen.

 

Sie arbeiten mit Ihrer Plattform mit Raiffeisen zusammen. Warum haben Sie sich für diese Bank entschieden?

Ich bin selbst über 30 Jahre Kunde von Raiffeisen und begeistert von der persönlichen und kompetenten Beratung und Betreuung. Die regionale Präsenz und damit auch die Nähe zur Wirtschaft und Unternehmen, aber auch die regionalen Aktivitäten überzeugen mich. Raiffeisen informiert ihre Kunden und Interessierte mit einer Vielzahl von Informationen und Tools im Bereich Gebäudetechnik und Energie. Ich sehe da viel Synergie mit dem energieportalschweiz.ch. Wir unterstützen und ergänzen uns perfekt als Dienstleister für Interessierte, auch in diesem Bereich.

 


Wärmepumpen und Photovoltaik

Die Schweizerinnen und Schweizer investieren zur Erreichung der Energiewende. Stand der installierten Anlagen bei Wärmepumpen und Photovoltaik:

Total waren per Ende 2022 rund 412'000 Wärmepumpen in Betrieb. Für jene mit Erdwärmesonden wurden 4,1 Mio. Laufmeter Erdwärmesonden abgeteuft. Insgesamt waren per Ende 2023 in der Schweiz PV-Anlagen mit einer installierten Gesamtleistung von rund 6.2 GW verbaut (Schätzung Swissolar), das entspricht etwas mehr als 1 Mio. m2 Fläche.  


*Zur Person: Richard Osterwalder (66) ist Unternehmer und Gebäudetechnik-Experte. Er war über 30 Jahre CEO der Weishaupt AG (Schweiz) und hat die Tochtergesellschaft der weltweit in der Heiztechnik tätigen Weishaupt Gruppe zu einem der Marktführer aufgebaut. Der zweifache Familienvater ist Gründer der unabhängigen und neutralen Online-Beratungsplattform EnergiePortalSchweiz.ch.

 

energieportalschweiz.ch


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