Hochwertige Infrastruktur, intelligenter Lademodus

Keine Aufladung ohne Ladesäule

Gratisladung in Worblaufen/Bern für Teslas. (© R. Sellin)
Rüdiger Sellin /

Der Verkauf von reinen Elektroautos (ohne Hybride) stagnierte 2016 auf tiefem Niveau. Plug-In-Hybride sind deutlich gefragter, benötigen aber ebenfalls eine sichere Auflade-Möglichkeit, egal ob auf einem öffentlichen Parkplatz oder daheim. Das ET Team hat sich umgesehen und umgehört, wie es heute in der Praxis aussieht.

Die Elektromobilität funktioniert nicht ohne eine einwandfreie Ladung der Akkus. Diese vielleicht banal klingende Feststellung hat einen durchaus ernst gemeinten Hintergrund. In der ET war seit 2012 bereits mehrfach über das Innenleben und die Handhabung von Akkus zu lesen. Selbst bei einem vergleichsweise harmlosen E-Bike und sogar bei Smartphones, Notebooks oder Netbooks können Akkus explodieren. Dafür kann es viele Gründe geben, sei es eine unsachgemässe Aufladung (etwa mit zu hohem Ladestrom), eine Überhitzung (schlechte Belüftung oder Kühlung) oder Fehler bei der Produktion der Akkus (Materialeinschlüsse in den Lithium-Ionen-Zellen). Und weil sich elektronische Geräte (meist mit Li-Ionen-Akkus) und Elektrofahrzeuge rasant verbreiten, ist eine gesunde Vorsicht geboten. Andererseits sollte man nicht in Panikmache verfallen, denn gemessen an der Anzahl produzierter Akkus sind die bekannten Akkubrände und -explosionen sehr selten.

Gerade wegen der potenziellen Gefahren sollte die Aufladung von Elektrofahrzeugen über sichere und hochwertige Einrichtungen vollzogen werden. Leider bestehen weit verbreitete und teils gefährliche Irrtümer, etwa, dass die Ladung eines Elektroautos über gewöhnliche 230 V-Dosen «problemlos möglich sei». Was bei einem E-Bike-Akku dank leichtem Ladekabel und kleinem Ladestrom problemlos funktioniert, trifft auf ein E-Auto nur bei gelegentlicher Nachladung zu. Ein Beispiel aus der Praxis: Dem 83-jährigen Käufer eines neuen E-Autos wurde eine Ladevorrichtung zu einem günstigen Vorzugspreis angeboten (699  CHF). Er lehnte ab und lädt sein Auto nun regelmässig mit 230 V~/10  A an der wackeligen Garagensteckdose. Diese wird dadurch mechanisch und thermisch stark belastet. Ladekabel, Ladestecker und Steuerung wiegen je nach Modell und Ausführung zwischen fünf und fünfzehn Kilogramm. Die Garage ist eng, schlecht belüftet und die einphasige Stromzuleitung viel zu dünn. Entsprechend erwärmen sich Steckdose und Zuleitung bei jeder Ladung. Die langsame Ladeprozedur nimmt rund 20 Stunden in Anspruch. Oft wird der Akku des E-Bikes parallel dazu auch noch geladen! Zudem wird mit einem konventionellen Strom-Mix aus Wasserkraft und Atomstrom geladen (im Winter auch aus dem Ausland). Wer nun meint, dies sei ein Einzelfall, sollte sich nicht täuschen lassen. Man schätzt, dass heute rund 70 % aller Elektrofahrzeuge daheim an einer konventionellen Steckdose geladen werden – bei einem Ökostromanteil unter 5 %.

Mehr dazu erfahren Sie im neusten ET 5 im Beitrag Seite 48 (Probe-Abo)

Wie der Tesla-Boom die Energieziele torpediert (Aargauer Zeitung 13.5.2017)