Editorial ET 8/2017

Anhaltend schön und warm

(Bild: istockphoto.com)
Hansjoerg Wigger /

«Und wie waren die Ferien», lautet die unvermeidliche Frage der Kollegen und Kolleginnen am ersten Arbeitstag nach dem Sommerurlaub. «Tolles Wetter, schön warm, kein Regen. Auch die Reise angenehm, Direktflug von und nach Zürich», antworte ich und erhalte ähnliche Rückmeldungen aus meinem beruflichen und privaten Umfeld.   Laut der US-Klimabehörde NOAA und der US-Weltraumbehörde NASA lag das Jahr 2016 um 0,94 Grad Celsius über dem Durchschnitt des 20. Jahrhunderts. Damit ist 2016 nach 2014 und 2015 das dritte Wärmerekordjahr in Folge. Regional kann der Temperaturunterschied allerdings sehr unterschiedlich sein. In der Schweiz beispielsweise war die Witterung 2016 leicht kühler und die Anzahl Heiztage nahm um 6,7% zu (siehe Artikel «Energieverbrauch 2016» in ET 8/2017 auf Seite 25). Im langjährigen Trend jedoch erwärmte sich das Klima in der Schweiz seit Messbeginn vor 150 Jahren durchschnittlich um 1,8 Grad, global war es nur 1 Grad.   Laut Klimaforscher Erich Fischer von der ETH Zürich, hat bereits eine Erwärmung von 0,5 Grad Folgen. Je nach Temperaturanstieg sei mit längeren und häufigeren Hitzeperioden zu rechnen und beim Überschreiten einer Temperaturgrenze, werde es schwierig für Korrekturen. Was tun?

In ihrem Buch "Climate of Hope" rechnen die Autoren Michael Bloomberg und Carl Pope vor, wie viel Ressourcen und Geld eine Stadt spart, wenn sie in Radwege, Wind- und Solaranlagen investiert. Sie vergleichen schädliche Produktionsmethoden mit effizienten und nachhaltigen Prozessen und zeigen auf, wie Städte lukrative neue Märkte mit regionaler Wertschöpfung fördern können. Co-Autor Bloomberg weiss wovon er spricht - immerhin amtierte er 12 Jahre als republikanischer (!) Bürgermeister von New York.

Mit dem Label "Energiestadt" fördert die Schweiz mit konkreten Massnahmen eine nachhaltige Klima-, Energie- und Verkehrspolitik in Gemeinden und Städten. Die Initiative vom Bundesamt für Energie zeigt, dass auch kleinere Gemeinden mit wenig Geld eine nachhaltige Entwicklung fördern können (Artikel ET 8/2017 Seite 30).

Übrigens verursacht der bequeme Direktflug an eine nähere Feriendestination am Mittelmeer für eine vierköpfige Familie über ein Tonne CO2. Damit liesse sich per Bahn 11 mal die Welt umrunden oder auch eine kleinere Wohnung ganzjährig beheizen. Als Kompensation werden wir nächstes Jahr wieder Wanderferien in der Schweiz planen.

Interview mit Klimaforscher Erich Fischer (www.tagesanzeiger.ch)

Wie viel ist eine Tonne CO2? (Fact sheet Swiss Climate, pdf)