Gesuchte Fachkräfte für die Informations- und Kommunikationstechnik

ICT-Berufe bieten mehr als Programmieren

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Hansjoerg Wigger /

Im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) besteht akuter und zunehmender Fachkräftemangel. Gleichzeitig ist der Frauenanteil in dieser Branche mit 14.7 % (2015) nach wie vor sehr tief; der ICT-Wirtschaft ist es bis heute nicht gelungen, das Potenzial an geeigneten Frauen zu nutzen. Vor diesem Hintergrund gibt eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz in Zusammenarbeit mit ICTswitzerland konkrete Handlungsempfehlungen, wie das Berufsfeld zugänglicher und attraktiver gemacht werden kann.

Das Forschungsprojekt "Attraktivität von ICT-Berufen" der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), welches in Zusammenarbeit mit ICTswitzerland und mit Förderung durch das SBFI und die Stiftung IT-Berufsbildung Schweiz entstanden ist, untersucht, welche Vorstellungen über die ICT bestehen, warum das Berufsfeld für viele nicht interessant ist und wie das Image der ICT verändert werden müsste, damit es attraktiver wird. Basierend auf der Analyse wurden Handlungsempfehlungen für eine geschlechterintegrative und attraktive Darstellung von ICT-Ausbildungen erarbeitet.

Die Studie zeigt, dass bei den relevanten Zielgruppen ICT-Berufe nach wie vor fast ausschliesslich mit Technik und Programmieren assoziiert werden. Die heute ebenfalls sehr gefragten Kompetenzen in der Kommunikation und Teamarbeit werden in Berufsbeschreibungen nicht kommuniziert. Dies obwohl die Experteninterviews des Forschungsprojekts zeigen, dass diese Kompetenzen immer wichtiger werden, weil sich ICT-Berufe weg von der reinen Programmierung, hin zu einem breiten Anwendungsbereich bewegen. Hinzu kommt, dass ICT-Fähigkeiten oft als Voraussetzung angesehen werden, anstatt zu vermitteln, dass ICT-Kompetenzen erlernt werden können. Dies ist nicht zielführend, um die Zugänglichkeit des Berufs zu erhöhen.

Basierend auf den Analysen wurden folgende Empfehlungen für die Überarbeitung des Images der ICT-Profession entwickelt:

  • Anschlussfähige Kommunikation gewährleisten. Die Verwendung von ICT-spezifischen Fachbegriffen setzt Vorwissen voraus und schränkt das Zielpublikum ein. Ausbildungsprogramme, Berufsbilder und die damit verbundenen Kompetenzen sollten stattdessen möglichst konkret beschrieben und mit anschaulichen Beispielen aus den verschiedenen Anwendungsbereichen ergänzt werden, damit ein möglichst breiter Zugang gewährleistet werden kann. Insbesondere in der Kommunikation mit Jugendlichen ist es wichtig, dass positive Emotionen in die Berufs-Beschreibung integriert werden. Statt Personen stereotypisch hinter Bildschirmen zu zeigen, sollten vermehrt Menschen in Interaktionssituationen gezeigt werden, wie sie auch täglich in ICT-Berufen vorkommen.
  • Ausgeglichene Darstellung des Kompetenz- und Tätigkeitsportfolios. Damit auch Personen mit einem breiten Interessensspektrum für eine ICT-Ausbildung interessiert werden können, müssen die verschiedenen Kompetenz- und Tätigkeitsfelder in der Beschreibung gleich gewichtet werden. Neben technischen müssen auch sozial-kommunikative Kompetenzen ihren Platz haben - schliesslich geht es in der heutigen und zukünftigen Berufspraxis nicht mehr nur darum, zu programmieren oder PCs auseinanderzunehmen.
  • Technik als lernbar und zielgerichtet positionieren. In der Beschreibung muss klar werden, dass die notwendigen technischen Fähigkeiten erworben werden können und nicht Voraussetzung sind. Zudem ist ICT kein Selbstzweck. Sie ist in diversen Branchen wie beispielsweise in der Medizinal- oder Umwelttechnik notwendig, um die Herausforderungen von Unternehmen und Gesellschaft zu bewältigen. Dieser Nutzen und die verschiedenen Anwendungsbereiche sollten in den jeweiligen Beschreibungen von Ausbildungen und Studiengängen in den Vordergrund treten.
  • Die berufliche Zukunft konkret beschreiben. ICT-Berufe werden im Rahmen der Digitalisierung der Gesellschaft die Zukunft mitgestalten. Es sind Berufe, bei denen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt auf Basis einer fundierten Ausbildung bei konstanter Weiterbildung hoch bleiben werden. Auf diese Zukunftsfähigkeit sollte in den Beschreibungen der Berufe und der Profession geachtet werden.

"Die Studie hat deutlich gezeigt, dass wir vom Image wegkommen müssen, dass ICT eine rein technische Disziplin ist, die schon vorhandene technische Fähigkeiten und Interessen verlangt. So werden viele Personen ausgeschlossen und durch die impliziten Geschlechterkonstruktionen - technische Fähigkeiten und Interessen werden typischerweise Männern zugeschrieben - wird der Zugang gerade für Frauen erschwert", resümiert die Projektleiterin Prof. Dr. Dörte Resch die Ergebnisse.

Das Projekt wurde vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI und der Stiftung IT-Berufsbildung Schweiz finanziell gefördert.

Zum vollständigen Synthesebericht: www.fhnw.ch/wirtschaft/pmo

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