Leitungsortungsgeräte für Installateure

Wo sind die Leitungen?

(Bild: www.bosch-professional.com)
Daniel Rölli /

Da immer mehr Gebäude infolge energetischer Optimierungen oder verdichteter Bauweisen umgebaut oder erweitert werden, müssen vermehrt Ausschnitte oder Durchbrüche in bestehende Konstruktionen gemacht werden. Da mehrheitlich keine Pläne oder Konstruktionsdetails mehr vorhanden sind, müssen vielfach Zuleitungen oder Hauptleitungen lokalisiert werden, damit sie bei den Ausbrüchen nicht zerstört werden. Beim Verletzen der Leitungen entstehen massive Kosten für die Reparatur beziehungsweise das Umlegen der bestehenden Leitungen. Bei der Lokalisierung der Leitungen helfen bei sachgemässer Anwendung auf dem Markt erhältliche Leitungssucher oder Leitungsortungsgeräte.

In den letzten Jahren wurde ich immer öfters angefragt, ob man Leitungen eigentlich nicht orten könne. Diese Anfrage kam von vielen Bauhandwerkern, die auf der Installation tätig sind. Vielfach mussten Durchbrüche für die Installation von Gaszuleitungen, Hauseinführungen von Wasser, Elektrizität oder Kommunikationsleitungen, oder Einführungen für Photovoltaikanlagen erstellt werden. Eine ganz besondere Aufgabe wird es, wenn ganze Mauern herausgeschnitten werden und dabei keine Leitungen zerschnitten werden dürfen. Die Anfragen kamen vielfach von Handwerkern die nicht auf der Elektrobranche arbeiten. Sie wollten vom Elektroinstallateur genaue Angaben über die Leitungsführung.

Verschiedene Geräte und Anwendungen

Auf dem Markt werden verschiedene Geräte zum Lokalisieren von eingebauten Leitungen und Konstruktionsteilen angeboten. Viele bekannte Messgeräte sind als Einzelgerät aufgebaut. Es ist sehr schwierig, das Messgerät zu finden, das allen gewünschten Anforderungen und Anwendungen entspricht. Da sich die Funktionsweisen und die Spezifikationen unterscheiden, muss der Anwender die Funktionen und die Grenzen seines Messgerätes sehr gut kennen. Einige Leitungssucher funktionieren durch das Erzeugen eines Magnetfeldes, welches durch eine Antenne wieder aufgenommen wird. Andere Geräte arbeiten mit Radarpeilung oder mit elektrischen Feldern.

Günstige Geräte zeigen die Leitungen per LED-Lampen an, bei hochwertigeren Geräten ist ein gut ablesbares LCD-Display, welches viele Informationen, teilweise auch die Tiefe der Leitung anzeigen, vorhanden. Es lohnt sich, bei der Auswahl für die Beschaffung der Geräte verschiedene Produkte zu prüfen und wenn möglich an realitätsnahen, praktischen Objekten zu testen. Leider halten nicht alle Geräte, was sie versprechen und dies kann zu grossen Enttäuschungen oder sogar Schäden an Konstruktionen führen, die fälschlicherweise beschädigt wurden. Durch die Wahl der Betriebsart kann die Ortung bei modernen Messgeräten auf verschiedenen Materialien angepasst werden, zum Beispiel Universal, Beton oder Trockenbau. Teilweise können unerwünschte Materialien unterdrückt werden, damit sie die Messresultate nicht verfälschen. Moderne Geräte können Metallobjekte, mit Wasser gefüllte Kunstoffrohre, teilweise Hohlräume sowie Elektroleitungen erkennen. In den Herstellerangaben werden meistens die Erfassungstiefen der verschiedenen Werkstoffe angegeben. Leider sind diese Angaben sehr vom Material und der Konstruktion des zu untersuchenden Bauteils abhängig. Teilweise kann die Betondichte oder die Beigabe von Eisenspänen im Beton, die genaue Ortung beeinträchtigen. Um möglichst genaue Resultate zu erhalten, muss der Anwender die Funktionsweise des Gerätes und dessen Grenzen genau kennen. Zudem ist es ein grosser Vorteil, wenn bei der Ortung die Zusammensetzung des Konstruktionsteils bekannt ist. Durch mehrere Messungen und durch das Wechseln der Suchrichtungen, werden die Lagen der gesuchten Leitungen oder der Standort der Balken oder Metallkonstruktionen immer präziser.

Spezielle Sender-/Empfangsgeräte

Eine andere Kategorie von Messgeräten arbeitet mit einem Sender und Empfänger. Diese Geräte sind meist in spezialisierten Betrieben anzutreffen. Geräte dieser Kategorie sind in der Anschaffung meist etwas teurer. Der Sender erzeugt ein Signal beziehungsweise einen modulierten Strom, der um den elektrischen Leiter ein elektromagnetisches Feld erzeugt. Dieses elektrische Feld induziert im Empfänger eine Spannung welche ausgewertet wird. Am Display kann der Anwender nun die Ortung vornehmen. Für diese Anwendungen muss der Stromkreis geschlossen sein. Das bedeutet, dass es mindestens zwei Leiter braucht, die am einen Ende mit dem signalgebenden Sender verbunden werden und am anderen Ende kurzgeschlossen werden müssen. Mit dieser Anwendung können Apparate und Klemmen, Sicherungen etc. gefunden werden. Diese Funktion kann auch für die Zugehörigkeit von Stromkreisen verwendet werden. Es werden Geräte hergestellt bei denen diese Funktion auch unter Spannung ausgeführt werden kann. Dabei kann aber die Reichweite der Ortung massiv eingeschränkt werden. Wenn die Funktion des Gerätes verstanden wird, kann aber mithilfe von separat verlegten Kabeln die Reichweite wieder vergrössert werden. Da das Gerät mit zwei elektrischen Leitern funktioniert, können damit auch Kurzschlüsse lokalisiert werden. Dies funktioniert aber nur, wenn die Kurzschlussstelle sehr niederohmig ist.

Bei Leitungssuchgeräten mit einem hochfrequenten aufmodulierten Strom, können sie sogar mit einem Leiter messen. Bei diesem System ersetzt der Erder den zweiten Leiter. Der hochfrequente Strom fliesst durch den Leiter und über die Luft, ähnlich wie beim Radioempfang, zur Erde zurück. Geräte bei denen diese Methode funktioniert, sind zum Auffinden von Leitungsunterbrüchen optimal. Hierbei wird mit dem Sender das Signal auf die Leitung moduliert und mit dem Empfänger die Leitung beziehungsweise das Signal verfolgt. Bricht das Signal ab, ist die Leitung zu Ende oder der Leiter ist unterbrochen. Mit dieser Methode können auch gequetschte Stellen in Rohrleitungen gefunden werden. Mit einem Einzugsband wird ein Leiter bis zur Verengung des Rohres geführt. Anschliessend kann mit dem Sender das Signal am Leitungsende aufmoduliert werden. Mit dem Empfänger kann wie bei einem Leitungsunterbruch die Leitung verfolgt werden und beim Abbruch des Signals ist die Verengung des Rohres. Leider sind auch bei diesen Geräten störende Einflüsse möglich. Durch metallene Folien oder Netze können die hochfrequenten Ströme teilweise abgeschirmt, oder durch "Antennen" weitergetragen werden. Hier ist wiederum einiges an Erfahrung und eine Menge Fachwissen gefragt.

Ortungsgeräte für tiefere Lagen

Sobald Leitungen im Erdreich oder in tieferen Lagen sondiert werden müssen, werden wieder andere Messgeräte verwendet. Diese Geräte arbeiten ebenfalls mit den Sende-/Empfangs-Methoden. Um die Ortungen präziser und in grösseren Tiefen ausführen zu können, werden die Produkte mit anderen Leistungen in den Sendern und mit sehr empfindlichen Empfängern ausgestattet. Solche hochwertigen Geräte werden vielfach von Elektrizitätswerken oder Leitungsbaufirmen benutzt.Wie bei den meisten Messgeräten braucht es auch bei der Arbeit mit den Leitungssuchern viel Erfahrung. Man kann nicht einfach ein Gerät kaufen und es ohne zu üben und zu verstehen einsetzen. Vielfach müssen die Geräte kalibriert werden, obwohl es bereits Geräte gibt die sich automatisch kali-brieren. Die Angaben in den Gerätedokumentationen geben hier Auskunft. Wenn der Anwender die Funktionsweise seiner Gerätschaften kennt, kann er mit einigen Tricks die Genauigkeit oder das Einsatzgebiet erheblich verbessern. Es braucht etwas Zeit und Interesse, damit mit dem Gerät erfolgreich und zur Zufriedenheit der Anwender gearbeitet werden kann. n