Durchbrüche bohren in Beton

Was ist zu beachten?

(Bild: Hilti)
Daniel Rölli /

Heutige Bauwerke werden vermehrt mit armiertem Beton gebaut. Zum einen erfordert die Erdbebensicherheit den vermehrten Einsatz von Beton, zum anderen werden die ästhetischen Elemente des Betons vermehrt eingesetzt. Durch den vermehrten Einsatz von Stahlbeton haben sich auch die Anforderungen an die Installationen geändert. Die Elektroinstallationen müssen vor dem Betonieren eingelegt werden. Wenn die Planung nicht sorgfältig genug ausgeführt wurde oder bei Umbauten sind nachträgliche Durchbrüche notwendig.

Die Durchbrüche müssen mit leistungsstarken Maschinen und mit entsprechenden Betonbohrern durchgeführt werden. Bei der Wahl der richtigen Maschinen sind die Leistung und die Schlagkraft der Pneumatik sehr ausschlaggebend. Je nach Beschaffenheit der Mauern beziehungsweise der Konstruktion ist es eine Gratwanderung zwischen der Schlagkraft für den Durchbruch und der Beschädigung der Konstruktion auf der Gegenseite der Bohrung. Nebst der richtigen Auswahl der Werkzeuge ist auch viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl des Bohrmaschinenführers erforderlich. Heutige Maschinen sind mit Rutschkupplungen versehen, damit die Arbeitssicherheit des Montagepersonals gewährleistet ist.

Die Rutschkupplungen sind besonders wichtig, wenn mit den Maschinen auf Leitern und Gerüsten gearbeitet werden muss. Als Folge von verklemmten Bohrern und Ausdrehen der Bohrmaschine kann das Montagepersonal stürzen und sich so verletzen. Als persönlicher Schutz des Bohrpersonals muss ein Gehörschutz sowie eine entsprechende Schutzbrille getragen werden. Wo nötig sind die persönlichen Schutzausrüstungen der Arbeit entsprechend zu erweitern.

Ebenso wichtig wie die antreibende Maschine ist die Wahl der Bohrer. Hier werden heute verschiedene Systeme angeboten. Es werden Bohrer mit einem Diamantschneider, mit Sterndiamantschneider oder mit Diamanten über das Kreuz angeboten. Je nach Beschaffenheit des Betons und der Bewehrung beziehungsweise der Armierung kann das eine oder andere System seine Vorteile haben. Die Erfahrung zeigt, dass bei armiertem Beton die Bohrer mit einem Diamanten gerne in das Bohrloch "gezogen" werden. Wenn die Bohrerspitze bei der Armierung ankommt, wird der Bohrer mit der Spirale wie eine Schraube in den Beton gedreht. Wenn die antreibende Maschinekeinen Rückwärtsgang hat, was beiden meisten Fällen zutrifft, hat man grosse Mühe den Bohrer wiederaus dem Bohrloch zu entfernen.

Hitze und Staub schaden

Bei Bohrern mit Stern- oder mit Kreuzbestückten Diamanten werden die Bohrkronen beim Auftreffen auf den Bewehrungsstahl stark strapaziert. Wenn der Bohrende nicht bemerkt, dass er auf ein Eisen bohrt, wird der Bohrer stark erhitzt. Das kann dazu führen, dass die Diamanten aus dem Bohrer fallen. Bei solchen Fällen ist der Bohrer leider nicht mehr zu gebrauchen und muss entsorgt werden. Bei der Auswahl der Bohrer ist speziell auf die Qualität zu achten. Günstige Bohrer haben vielfach einen schlechten Stahl und die Montage der Diamanten ist mangelhaft. Sobald der Bohrer warm beziehungsweise heiss wird, lösen sich die Diamanten vom Bohrerschaft, da sich die Materialien durch die Hitze unterschiedlich ausdehnen.

Beim Bohren in Beton ist es besonders wichtig den Bohrer vom Bohrstaub zu befreien, damit er sich nicht verklemmt. Seit einiger Zeit werden Hammerbohrer mit Absaugung angeboten. Der Bohrer ist hohl und hat einen Anschluss für einen Stabsauger. Diese Bohrer haben den Vorteil, dass sie durch den Bohrstaub nicht verklemmen. Selbst bei Eisentreffern verhaken oder klemmen diese Bohrer nicht. Als weiterer Vorteil wird weniger Bohrstaub an die Umgebung abgegeben, da er direkt mit dem Staubsauger aufgesaugt wird. Durch die Luft die durch den Borer angezogen wird, wird der Bohrer gekühlt, sodass das Material sich gleichmässiger und weniger erhitzt. Durch die Kühlung der Bohrkrone verlängert sich die Lebensdauer der Bohrer wesentlich. Diese Hammerbohrer mit Absaugung haben aber auch Nachteile. Bei feuchtem oder nassem Mauerwerk werden die Löcher an der Bohrerspitze verstopft, so kann der Bohrstaub nicht mehr mit dem Staubsauger abgezogen werden. Auch hier besteht die Gefahr, wenn der Bohrende nicht bemerkt, dass die Absaugung nicht mehr funktioniert, dass der Bohrer im Bohrloch verklemmt und nicht mehr herausgezogen werden kann.

Wenn die Bohrlöcher verstopft sind, können diese mit Nägeln oder Nadeln gereinigt werden damit die Luft und somit der Bohrstaub wieder einwandfrei abgesaugt werden kann. Die Bohrer mit Absaugung können auch nur bedingt benutzt werden, wenn Löcher von oben gebohrt werden müssen. Bei Löchern die von oben gebohrt werden, müssen die Staubsauger sehr leistungsfähig sein, damit sie den Bohrstaub nach oben befördern können. Die Bohrmethoden mit Bohrhämmern sind nur sinnvoll bei Löchern bis circa 30 mm.

Sind grössere Durchmesser erforderlich, wird meistens eine Diamantkernbohrmaschine verwendet. Bei dieser Technik wird ein mit Diamanten bestückter Kernbohrer eingesetzt. Da beiden Diamantkernbohrungen bei Beton meistens mit Wasser gekühlt werden muss, sind die Vorbereitungs- beziehungsweise Abdeck- und Reinigungsarbeiten relativ aufwändig. Eine genaue und stabile Befestigung der Kernbohrmaschine ist für ein optimales Bohrloch eine wichtige Voraussetzung. Bohrungen mit einem Diamantkernlochbohrgerät benötigen einige Erfahrungen um ein optimales Ergebnis zu bekommen. Die Wassermenge, die Drehgeschwindigkeit und der Anpressdruck sind wichtige Parameter, um die Lebensdauer der Bohrkronen zu verlängern. Auch hier sind die Qualitäten der Bohrer sehr verschieden.

Bei Durchbrüchen in Mauerwerke oder durch Decken und Böden ist auf die Statik und auf die Installationen, die eingebaut sind, zu achten. Um Haftpflichtfälle möglichst zu vermeiden sind die folgenden Punkte zu beachten:

  • Der Bohrende muss sich über die Statik informieren.
  • Sind Pläne von bestehenden Leitungen vorhanden?
  • Hat die Bauleitung und/oder der Inhaber des Gebäudes die Erlaubnis zu den Bohrungen gegeben?
  • Hat es asbesthaltiges Material im Bereich der Bohrungen?

Als Unternehmer kann man sich mit einem Haftungsausschluss gegenüber Haftungsforderungen absichern. Ein Beispiel für einen Haftungsausschluss finden Sie auf der Website des VSEI (Stichwort Haftungsbegrenzung).

Trotz aller Vorsichtsmassnahmen besteht immer ein Restrisiko beim Bohren von Durchbrüchen. Leider werden auf vielen Baustellen die Bohrungen nicht fachgerecht abgeschlossen. Vielfach werden der Bohrstaub und die Rückstände der Bohrungen nicht vollständig weggeräumt. Der Bohrstaub in Kanälen und in Leitungen verhindert die Kühlung der Leitungen. Wie schon oft gehört ist die Reinigung die wichtigste Instandhaltungs- und Brandschutzmassnahme in elektrischen Installationen.