Editorial ET 9/2017

Rückenwind für Elektrofahrzeuge

Bild: Rüdiger Sellin
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Unerwarteten Schub erhielten batteriebetriebene Fahrzeuge kürzlich von Seiten der Politik. Unerwartet, weil einschränkende Massnahmen im Verkehrs- und Transportsektor schwierig umzusetzen und höchst unpopulär sind. Der Sektor ist einer der grössten Energieverbraucher und damit ein Hauptverursacher von CO2-Emissionen, Tendenz weiterhin zunehmend. Nun kündigten die Regierungen von Grossbritannien, Frankreich, Norwegen und Indien kürzlich an, ab 2030 nur noch Elektroautos zuzulassen und Benzin- und Dieselautos zu verbieten. Die Autoindustrie ist darauf eingestellt und präsentiert laufend günstigere und leistungsfähigere E-Fahrzeuge: Tesla beispielsweise kündigte kürzlich mit dem «Model 3» den ersten massentauglichen «Volkswagen» an, und Volvo will sich ab 2019 von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren schrittweise verabschieden.

In der Schweiz nimmt die Anzahl der Hybrid- und Elektroautos zwar kontinuierlich zu, doch ist ihr Bestand im Verhältnis zu den benzin- und dieselbetriebenen Fahrzeugen nach wie vor sehr gering (ein Anteil von rund 1,5%). Einer der Gründe ist immer noch die verbreitete Angst der Elektrofahrer, dass ihnen unterwegs der Strom ausgehen könnte. Um das zu verhindern braucht es ein dichteres Netz von Stromtankstellen.

Hierzulande gibt es zwar schon über 1630 öffentlich zugängliche Ladestationen, entlang der Nationalstrassen sind bis jetzt nur gerade 12 Schnellladestationen in Betrieb, 16 weitere sind geplant. Rechtlich dafür zuständig sind die Kantone.

Laut Bundesrat soll nun der Bau und Betrieb von Schnellladestationen auch auf die über 100 Rastplätze - rechtlich zuständig ist der Bund - ausgeweitet werden. Dafür erforderlich ist eine leistungsfähige Strominfrastruktur, die dort bisher jedoch nur für geringe Strombezüge ausgelegt war. Auf Rastplätzen soll nun mithilfe des Bundes, wo nötig und sinnvoll, eine Stromversorgung mit den erforderlichen Anschlusswerten eingerichtet werden. Der Bund selber baut und betreibt keine Ladestationen, will jedoch die erforderliche Stromversorgung bereitstellen und den Betreiber an den Kosten beteiligen. Mit einem offenen Bewerbungsverfahren sollen sich mögliche Betreiber von gleich mehreren Ladestationen bewerben können.

Mehr zum Bau von Ladestationen erfahren Sie in der aktuellen ET Ausgabe 9/2017.