Neue Studie über die Versorgungssicherheit

Eckpfeiler eines schweizerischen Strommarktdesigns

Stromproduktion der Schweiz im Jahre 2016. (Bild: BFE, Elektrizitätsstatistik)
Hansjoerg Wigger /

Die von Frontier Economics Ltd. im Auftrag des BFE erstellte Studie "Eckpfeiler eines schweizerischen Strommarktdesigns nach 2020" analysiert Massnahmen für die Weiterentwicklung des Marktdesigns. Sie untersucht die notwendigen ökonomischen Rahmenbedingungen und Marktmechanismen, damit die Versorgungssicherheit in der Schweiz auch mittel- bis langfristig ganzjährig auf einem hohen Niveau garantiert werden kann. Die Studie bewertet eine Auswahl potentieller Marktmodelle, darunter auch die von der Strombranche vorgeschlagenen Modelle, hinsichtlich ihrer Effektivität zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit.

Das schweizerische Stromversorgungssystem zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus, die bei der Analyse der Versorgungssicherheit berücksichtigt werden müssen. Dazu gehören der dominierende Anteil der Wasserkraft an der Stromproduktion, die mit 20 GW ausreichende installierte Kraftwerksleistung, die dank Speicher- und Pumpspeicherkraftwerken gute Kurzfristflexibilität, die hohe netztechnische Integration ins europäische Stromsystem sowie die geringe thermische Stromproduktion.

Aufgrund dieser Ausgangslage analysiert die Studie das derzeitige schweizerische Strommarktdesign und die Verbesserungsoptionen innerhalb des existierenden Energy-Only-Markts (EOM). Sie untersucht und bewertet eine Reihe möglicher den EOM ergänzende Marktmodelle wie Strategische Reserve, dezentrale Leistungsverpflichtung, die von BKW eingebrachte zentrale Kapazitätsauktion, die von Alpiq vorgeschlagenen Contracts for Differences und das von Axpo in die Diskussion eingebrachte Versorgungssicherheits- und Klimamarktmodell.

Wichtigste Schlussfolgerungen der Studie

Das derzeitige Marktdesign ist geeignet, Versorgungssicherheit zu gewährleisten: Im derzeitigen EOM-Marktdesign müssen Lieferanten sicherstellen, dass sie ihre Kunden auch dann beliefern, wenn nur wenig Strom am Markt verfügbar ist und die Preise hoch sind. Gleiches gilt für die Kunden: Diese dürfen nur in dem Masse Strom verbrauchen, wie sie vertraglich beziehen dürfen. Werden die Marktakteure diesen Bedingungen nicht gerecht, werden sie über hohe Zahlungen (Ausgleichsenergiepreis) "bestraft".

Weiterentwicklungsmassnahmen des EOM umfassen eine verbesserte Informationsbereitstellung zu den Ausgleichsenergiepreisen und eine Verstärkung der Preissignale (Erhöhung der Ausgleichsenergiepreise) in kritischen Situationen. Weiter können die Möglichkeiten verbessert werden, auch kurzfristig, innerhalb eines Tages (Intraday), Strom zu handeln. Die Autoren beleuchten zudem die Rolle der vollständigen Marktöffnung im Zusammenhang mit der Effizienz des EOM. Sie kommen dabei zum Schluss, dass ein wettbewerblich geöffneter Strommarkt die Versorgungssicherheit erhöhen kann, da Nachfrager deutlich stärker in die Mechanismen des Strommarktes eingebunden werden.

Durch neue Produkte und Tarifmodelle für die Endverbraucher werden Anreize geschaffen, ihre Nachfrage zu flexibilisieren und damit zur Stabilisierung des Stromsystems beizutragen.Bewertung der EOM ergänzenden Marktmechanismen:Strategische Reserve ist eine kostengünstige, minimal-invasive Zusatzabsicherung: Eine zentrale inländische Instanz kontrahiert Kraftwerkskapazitäten bzw. Stromerzeugung (im Falle der Schweiz vor allem Speicherwasser), die nur und ausschliesslich in physischen Knappheitssituationen in der Schweiz eingesetzt wird. Es handelt sich hierbei nicht um einen Kapazitätsmarkt, sondern um einen Mechanismus zur Sicherstellung einer Energiereserve in kritischen Situationen. Bei der Strategischen Reserve wird nur ein geringer Teil der Stromproduktion bzw. -leistung kontrahiert, der Markteingriff ist im Vergleich zu den umfassenden Mechanismen deutlich geringer.

Die Studie enthält eine ausführliche Zusammenfassung in deutscher und französischer Sprache.

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