Mobiltelefonie

Die Tage von GSM/2G sind gezählt

(© Nokia)
Rüdiger Sellin /

Ein weiteres veraltetes Netz wird abgestellt, das für Telefonie, aber auch für Lifttelefone und Notrufe (Seniorenruf) oder zur Automatenbewirtschaftung und mobilen Messwertabfrage noch täglich 1000-fach im Einsatz steht.

Die Meldung ist für Insider nicht neu: Auf spätestens Ende 2020 wollen Swisscom und Salt ihr altbewährtes GSM-/2G-Netz abschalten. Diese Netze stammen noch aus den frühen 90er Jahren und gehen nicht besonders ökonomisch mit dem teuren Frequenzspektrum um, insbesondere wenn es um den Transport mobiler Daten geht. Die teuren Frequenzen müssen von den Netzbetreibern regelmässig für sehr hohe Summen von Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) ersteigert werden. Da ist es keine Überraschung, wenn Effizienz im Umgang mit diesen teuren Ressourcen gefragt ist.

Ab 2020 kann bei Swisscom und Salt also nur noch über UMTS/3G oder LTE/4G telefoniert werden. Wirklich überraschend ist die Mitteilung hingegen vom Mitbewerber Sunrise. Dieser liess Anfang Juni verlauten, dass das GSM-Netz bereits Ende 2018 abgeschaltet wird. Sunrise-Kunden bleiben also zwei Jahre weniger Zeit zur Umstellung auf 3G oder 4G. Zwar hat die Schweiz bereits heute eine hohe Smartphone-Dichte (gegen 80%), aber viele Gelegenheitsnutzer, darunter viele Senioren, verlassen sich noch gerne auf altbewährte Handymodelle. Diese Nutzergruppe schätzt die grossen Tasten zur einfache Bedienung ebenso wie die gewohnten Festnetz-Apparate.

Interessant ist, dass Nokia gerade dieses Frühjahr auf dem Mobile World Congress in Barcelona neben drei neuen Android-Geräten eine Neuauflage des Kult-Handys Nokia 3310 vorstellte. Dieser Klassiker funktioniert nämlich in keinem anderen Netz als 2G/GSM, wurde aber trotzdem modernisiert. Das Display wurde etwas grösser (2,4 Zoll); die Auflösung beträgt nun 240 x 320 Pixel. Bluetooth und eine 2-MP-Kamera ergänzen die Ausstattung, und selbst der Game-Klassiker "Snake" fehlt nicht. Seit Ende Mai 2017 kann man das Nokia 3310 für unter 60 Euro kaufen - in der Schweiz allerdings nur online (ab 55 CHF). Die Leistung des nicht austauschbaren NiMH-Akkus beträgt 1200 mAh, was für eine sagenhafte Sprechzeit von 1320 Minuten und einen Standby von 74 Stunden ausreicht. Achtung: Es ist eine Nano-SIM-Karte erforderlich. Und das klassische Handy wird nach Herstellerangaben im Garantiefall (2 Jahre) nicht repariert, sondern ersetzt. Öko sieht anders aus.

 Weil GSM/2G einen robusten Codec sowie hohe Reichweiten besitzt und auch Gebäudehüllen recht gut durchdringt, wird es auch gerne zur M2M-Kommunikation herangezogen (M2M: Machine-to-Machine Communication). Hier gibt es jedoch gute Ersatzlösungen.

Ersatzlösungen für GSM

Ähnlich wie beim Ende von ISDN und der analogen Telefonie auf Anfang 2018 müssen auch bei der Ablösung von GSM Ersatzlösungen gefunden und installiert werden.

Wichtig: Ähnlich wie beim oben vorgestellten Nokia 3100 ist vom Kauf reiner GSM-basierter Lösungen dringend abzuraten. So werden immer noch Senioren-Notrufsysteme, Alarmanlagen oder Lifttelefone auf Basis analoger Telefonie sowie von ISDN oder GSM angeboten. Oft dient UMTS/3G, leider nur selten das neuere LTE/4G als Ersatzbasis. So arbeitet Swisscom an einem Angebot, den Standardrouter mit einem 4G-fähigen Datenstick zu versehen, über den im Notfall telefoniert werden kann.

Der Elektroinstallateur arbeitet in den meisten Fällen enger am Kunde als die Netzbetreiber oder die Anbieter von Zubehör. Daher hat er hier eine klassische Aufklärungs- und Beratungsfunktion. Für Lifttelefone bietet etwa Schindler eine Lösung auf UMTS-Basis, wobei UMTS in der Schweiz auch schon 14 Jahre auf dem Markt ist und technisch eigentlich veraltet ist. Zudem ist der Ersatz eines alten Lifttelefons teuer (min. ab etwa 1000 CHF inkl. Montage der Ersatzlösung).

Für Automatensysteme (Füllstandsabfrage der Artikel) oder die Abfrage kurzer Messwerte (Wasserstand, Temperatur etc.) bietet sich in Städten oder Agglomerationen der Einsatz des neuen LoRa-Systems an. Swisscom deckt damit bereits praktisch alle Städte ab, überlässt die Systemintegration allerdings spezialisierten Firmen (siehe ET Extra 7/2016 "Netz für das Internet der Dinge" in ET 07/16  Seite 15 oder http://lpn.swisscom.ch/d). Neben dem weiteren Ausbau von 4G/LTE (Geschwindigkeiten heute bis zu 300, künftig 450 Mbit/s) wird ab 2020 zudem die neue Generation 5G den Datenfluss sicherstellen - insbesondere für M2M und mobiles Multimedia.