Erst waren die Kosten und auch andere Hindernisse zu hoch: Doch inzwischen scheint es allerdings, dass sich die grossen Stromversorgungsunternehmen europaweit schneller um einen Ausbau des Stromnetzes kümmern wollen. Das schreibt die Technology Review am 26. Mai. Die Unternehmen haben jetzt gemeinsam Pläne vorgelegt, nach denen das Leitungsnetz in den kommenden zehn Jahren durch Nord-Süd-Strecken in Deutschland, Leitungen zwischen Spanien und Frankreich über die Pyrenäen, Strecken rund um die Nordsee herum (zur besseren Anbindung der Offshore-Windparks) und innerhalb von Skandinavien verstärkt werden soll. Insgesamt sind 42 100 Kilometer neue Leitungen geplant, die laut Experten auch notwendig sind, da das Netz heute schon an seine Belastungsgrenzen stosse.
Ziel des Ausbaus ist eine bessere Koordinierung von Stromengpässen und Stromüberschüssen im Netz. Heute bestehen nur wenig Möglichkeiten, diese Stromschwankungen auszugleichen, weil vor allem die Windkraftanlagen keine gleichmässige Stromproduktion bieten. Weil mit den Ausbauplänen auch gleich die Netzbetriebsregeln neu festgelegt wurden, können die Netzbetreiber selbst darüber entscheiden, wer bei einem Überangebot an Strom produzieren darf. Ein Atomkraftwerk oder ein Windpark. Deshalb fürchten verschiedene Experten, dass diese Netzbetriebsregeln einseitig zugunsten der grossen Stromversorgungsunternehmen gehen und die Interessen der kleineren Wind- und Solarbauer auf der Strecke bleiben.
Weiterführende Informationen
- «Streit um neues Stromnetz für Europa», heise.de, 26. Mai 2010
- «Europas Netzplan», von Jan Oliver Löfken, Technology Review, Ausgabe 6/2010



